5. September 2017

5 Fragen an HAPPYGODS – glückliche Götter und erfrischender Style

Gauri und Martin durfte ich auf der INNATEX im Juli diesen Jahres kennenlernen – und das war in vielerlei Hinsicht eine Offenbarung. Denn die Beiden brennen für Ihr Unternehmen und Ihre Message – und sind dabei einfach unglaublich sympathisch! Ihr Label HAPPYGODS stellt frische und junge Damenmode her, die die Weiblichkeit unterstreicht – und das Beste: auch noch komplett natürlich gefärbt wird. Martin kommt aus Karlsruhe, Gauri aus Mumbai – ihr könnt Euch vorstellen, dass dieser Mix total spannend ist. Aber nun zu meinen 5 Fragen und ihren 5 Antworten:

Auf der Innatex habe ich Euren Stand entdeckt und war direkt begeistert von Euren jungen, aber auch zeitlosen Schnitten – woher nehmt Ihr Eure Inspiration?

@Gauri: mich inspiriert das Leben und die Gegensätze von Indien und Europa. So ist Mumbai und Karlsruhe die Lebenswirklichkeit, aus der ich heraus neue Designs schöpfe. Dabei sind es Fassaden von Gebäuden, Mustern in Fenstern, Bäume, Blumen oder auch Zäunen und die Natur selbst, die mich immer wieder neu inspirieren. Und selbstverständlich die Körperlinien von Frauen und Männern. Unsere Körper sind einfach wunderschön. Körperlinien zu unterstreichen, zu umspielen oder einfach schön zu kleiden, macht mir große Freude.

@Martin: Das Design der Kleider ist klar Gauri‘s Aufgabe. Natürlich diskutieren wir gerne und viel darüber. Mich beschäftigen dabei immer wieder Schnitte, die subtil ein klassisches Kleid anders interpretieren, die raffiniert sind und schlicht die Schönheit unterstreichen. Wir wollen Kleider anbieten, die glücklich machen! Natürlich unsere Kunden, aber eben auch die »Götter«, weil wir nachhaltig und ganzheitlich produzieren.

Ihr färbt komplett natürlich, ohne Zusatz von Chemikalien, was ich einfach genial finde – was war dabei Eure größte Farbentdeckung?

@Gauri: Farbe ist natürlich. Sie ist allgegenwärtig. Mich begeistert die Farbpalette, die uns die Natur schenkt. Aus dieser Farbwelt heraus unsere Stoffe färben zu lassen, liegt nahe und wurde ja schon vor Urzeiten praktiziert. Dieses alte Wissen um das Färben wurde einfach vernachlässigt bzw. einfach nicht weiterentwickelt. Ich habe mich in meinem Studium lange mit dem Färben beschäftigt. Und dort wurde mir der enorme Aufwand und Einsatz von problematischen Chemikalien erst bewusst. Gleichzeitig empfand ich den natürliche Färbeprozess einfach und viel naheliegender. So färbte ich damals meine Kleider selbst. Nach langer Suche fand ich dann ein Partner der für uns die Stoffe auf industriellem Niveau rein pflanzlich färben kann. Er kommt aus der konventionellen Färbung. Ihn schmerzte ebenso die hohe Umweltbelastung und so entwickelte er mit Leidenschaft eine rein pflanzliche Färbung auf höchst professionellem Niveau. D.h. wir können heute Stoffe in gleichbleibender Qualität und Farbechtheit herstellen, die auch die Maschinenwäsche vertragen und lange die Farben erhalten.

@Martin: meine »Farbentdeckung ist das Schwarz. Es ist eben keine tote Farbe, sondern eine sehr lebendige. Es schimmert wie ein Schieferstein. Der natürliche Glanz und das mineralische Aussehen begeistern mich immer wieder aufs Neue. Je nachdem wie das Licht darauf scheint, wirkt es anders.  Grundsätzlich wirken die Farben auf mich sehr vital. Es fällt mir immer wieder auf, wenn Personen unsere Kleider anprobieren, dass die Farbe der Kleider und der Haut auf eine faszinierende Art miteinander wirken. Anfangs hatte ich meine Vorbehalte mit der pflanzlichen Färbung. Vor allem die Sorge, dass die Farben schnell verblassen oder es umständlich ist, sie zu waschen. Aber die Sorge stellte sich schnell als unbegründet heraus. Wenn man unsere Kleider bei 30° und mit maximal 800 Umdrehungen wäscht und nicht im direkten Sonnenlicht danach aufhängt, bleiben Sie lange erhalten und sie müssen auch weniger gebügelt werden. Wie konventionelle Stoffe auch, verlieren Sie mit der Zeit etwas an Farbbrillanz. Wir wollen in Kürze auf unserer Homepage eine Testserie zeigen, wie die Kleider nach 10, 20 und mehr Wäschen aussehen. Übrigens habe ich über unsere Kleider ich auch nochmals viel über das Kleiderwaschen gelernt. Ich nutze viel mehr die unterschiedlichen Waschprogramme unserer Waschmaschine und schleudere nur noch Handtücher und Bettwäsche mit 1400 Umdrehungen.

Eure Produktion ist in Indien, in Deinem Heimatland Gauri, und Ihr kennt jede einzelne Person, die Eure Sachen in Handarbeit fertigt – erzählt uns ein wenig über die tolleHAPPYGODS-Familie!

@Gauri: Vor 17 Jahren gründeten meine Mutter und Tante in Mumbai ihre Bekleidungsfrima, die bisher für den indischen Markt produzierte. Seither entwerfe ich für Sie Designs und hatte meine eigene Marke für junge Männer in Indien. Ein Teil unserer Mitarbeiter ist von Anfang an dabei, u.a. Arun unser Master-Cutter. Ich arbeite eng mit ihm zusammen, wenn ich neue Schnitte kreiere. Sameer ist unser Mann für alle Fälle: er sorgt für die Qualität und dass alle nach GOTS-Standard arbeiten. Außerdem sendet er die fertige Ware zu uns nach Deutschland. Wenn ich in Deutschland bin vermisse ich die Nähe zu meinem Team. Es ist manchmal schwer auszuhalten, nicht mal schnell vorbei schauen zu können. Und die Fäden zusammen hält meine Mutter Sheela. Sie leitet zusammen mit meiner Tante Seema den Betrieb, entwirft für Ihre Kleiderlinie Designs und ist ebenso die »Mutter aller Zahlen«. Nicht angestellt dort aber enorm wichtig und sympathisch ist der Chai-Wala: er bringt den Mitarbeitern immer frischen Chai und das ist so wichtig wie bei uns der Kaffee…

@Martin: Als ich das erste Mal Gauri‘s Familien-Workshop besuchte, war ich überrascht, dass fast nur Männer dort beschäftigt sind. Das entsprach gar nicht dem Bild, das ich mir vorgestellt hatte. Was mich freut ist die Beständigkeit dort. Die Mitarbeiter sind schon lange dabei. Sie haben Freude an unserem HAPPY GODS Projekt und fühlen sich enorm geehrt, dass jeder von Ihnen auf unserer Homepage Platz gefunden hat. Ich bin gern dort, denn es wird enorm viel gelacht.

Die GOTS-Zertifizierung war ein Meilenstein für Euch, oder? Ist man manchmal nicht geneigt alles hinzuwerfen, bei all‘ den Auflagen und Bedingungen? Was treibt Euch immer wieder an?

@Martin: Gauri und ich hatten uns intensiv mit Zertifizierungs-Labels auseinander gesetzt. Und schnell wurde klar, dass es nur das GOTS-Label sein kann, welches wir auf unseren Kleidern sehen wollen. Denn der GOTS-Standard ist mit der höchste für die nachhaltige Kleiderproduktion. Es gibt m.W. kein anderes Label, mit dem man so genau zurück verfolgen kann, wer am Produktionsprozess eines Kleides wie beteiligt war. Zudem finden auch die sozialen Standards entsprechend ihre Berücksichtigung.  Anfangs war die Zertifizierung schon ein Stress. Allerdings wurde schnell klar, dass schon das Meiste nach GOTS-Standard ablief, nur war es nirgendwo dokumentiert. So bestand meine Arbeit darin, Prozessdiagramme zu erstellen und die Prozesse zu beschreiben.

 

@Gauri: Für mich war die Kunst unsere »alten« Mitarbeiter auf neue Sicherheitsstandards zu bringen, d.h. unsere Cutter müssen Handschuhe aus Stahlgewebe zum Schneiden tragen. Das hatten die vorher nie gesehen und das war an ihren Händen ungewohnt. Auch lachten uns die Mitarbeiter aus, als wir den Workshop beschilderten, mit Notausgang etc. Das war für sie so selbstverständlich, dass sie das übertrieben und unnötig empfanden. Was Ihnen Spaß machte war dann das Erste-Hilfe- und Feuer-Training. Der Nutzen ist auch jedem gleich eingeleuchtet. Es war witzig, weil viele Nachbarn unseres Workshops und die Kinder drum herum mit großer Neugier den Workshop verfolgten. Es war wie in einem Bollywood-Film und lange Gespräch in der Straße.

Nehmt uns ein wenig mit in die Zukunft von HAPPYGODS – was ist Euer nächstes Ziel?

Aktuell wollen wir einfach bekannter werden und vor allem mehr Händler in Deutschland und Europa finden, die HAPPY GODS Kleider in Ihr Sortiment aufnehmen. Wir finden den Fachhandel wichtig und eben auch nachhaltig. Parallel werden wir ab nächstem Frühjahr unseren Online-Shop starten. Auch überlegen wir eine Design-Linie für Männer aufzulegen. Aktuell arbeitet Gauri an neuen Designs für Frühjahr und Herbst. Und die GOTS-Rezertifizierung steht für November an… Martin sucht noch nach Verpackungsalternativen zum Plastik für die nächste große Versendung.

Danke an Gauri und Martin von HAPPYGODS für die offenen und ausführlichen Antworten auf meine Fragen!

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