1. September 2017

5 Fragen an goodsociety – faires Denim am Nabel der Zeit

Auf der letzten INNATEX im Juli diesen Jahres hab ich endlich Zeit gefunden, den Stand von goodsociety in Ruhe zu besuchen. Gründer Dietrich Weigel war selbst vor Ort und zeigte mir die neuesten Modelle der Kollektion. Dabei spürte ich sofort: goodsociety ist ein authentisches und absolut cooles Label! Und zudem gefiel mir endlich mal der Style einer fairen und organisch hergestellten Jeans. Weil mich die Entstehungsgeschichte interessierte und ich mich näher mit dem sympathischen Unternehmen auseinandersetzen wollte, stellte ich 5 Fragen und bekam 5 Antworten vom goodsociety-Team. Und das Ganze könnt Ihr jetzt hier lesen:

Ich hab mich bis jetzt immer schwer getan mit nachhaltigen Jeans-Labels, ehrlich gesagt weiß ich gar nicht warum, oft fehlte mir etwas Style, glaube ich, bis ich Euch entdeckt habe. Was meint Ihr, ist Eure Geheimnis?

Vielleicht ist es einfach so, dass sich Dietrich, unser Inhaber schon vor sehr vielen Jahren Gedanken darum gemacht hat, wie die „gute Gesellschaft“ aussehen könnte. Da gab es den Begriff „nachhaltig“ noch nicht wirklich, eher war es „ganzheitlich“. Aber da stand noch die Mauer in Berlin, ja da schien es noch, es gäbe nur die eine oder die andere Wahrheit. Es gab noch kein Internet und es gab noch keine globale Wirtschaft. Sprich, die Menschen waren noch nicht so vernetzt wie heute. Handel hat ja immer zu besseren Lebensbedingungen geführt. Was er auch wusste war, egal was man tut, man muss sein Handwerk lernen, mit allem was dazu gehört.

So hat er erst einmal viele Jahre Erfahrung in führenden Unternehmen der Mode und mit den besten und unterschiedlichsten Designbrands der Welt gewonnen. Bis er das Gefühl hatte jetzt sei der Punkt gekommen seine Vision zu realisieren. Dietrich hat ein starkes Gefühl für Ästhetik und findet die „goodsociety“ einfach schöner und, dass sie allen mehr Spaß macht, das drückt er in seiner Mode aus.

Ihr habt Euch 2007 in den USA gegründet – was würdet Ihr als größte Entwicklung seitdem bis heute für Euch beschreiben?

Ich würde sagen, wir selbst sind die Entwicklung. Unternehmerisch gesehen war die größte Entwicklung, uns seit 2012 zunächst auf die DACH-Märkte (= Deutschland/Österreich/Schweiz) zu fokussieren, denn dort denken die Menschen schon seit einiger Zeit um. Seit 2007 und speziell in den letzten beiden Jahren kommt hinzu, immer mehr Menschen bewusst leben und konsumieren und dieses Bewusstsein in den Medien immer stärker kommuniziert wird. Wenn man 2007 jemandem etwas von naturbewusster Bekleidung, veganer Ernährung und sozialer Unternehmensphilosophie erzählt hat, kam man sich fast wie ein Paradiesvogel vor. Auch wenn es fast absurd ist, denn in den 70er und bis in die 80er Jahre war das Bewusstsein schon mal sehr weit.

Heute beschäftigen sich immer mehr Unternehmen damit, sei es von sich aus oder durch die Erkenntnis, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, um am Markt zu bleiben. Wobei man ein Gefühl dafür bekommt, ob jemand ganzheitliches Bewusstsein hat oder nicht, also nur als Geschäft agiert oder das Thema als sinnvolle Aufgabe betreibt. Wir denken, das ist einer der größten Challenges, die noch auf die Unternehmen und auch die Politik zu kommen, transparent und ehrlich zu vermitteln und dafür die Rahmenbedingungen in der Politik zu schaffen. Das es kommt, daran haben wir keine Zweifel, und das ist richtig gut.

 

Eure Jeans sind aus 100% Bio-Baumwolle hergestellt und Elasthan kommt meines Erachtens gar nicht zum Einsatz, ist das richtig?

Nein, das ist nicht ganz richtig. Gerade bei den Damen Modellen haben wir immer 2% Elasthan im Gewebe, weil die Jeans so einfach bequemer sind, sich der natürlichen Körperform perfekt anpassen und auch eine bessere Passform haben und behalten. Bei den Männern sieht es etwas anders aus, hier haben wir auch Modelle, die aus 100% Organic Cotton hergestellt sind. Bei Männern steht ja auch das Aussehen, ich will nicht sagen die Sexyness, nicht so im Vordergrund, auch wenn sich das ja immer mehr verändert. Vor allem unsere ungewaschene Farbe „Raw“ und „Raw one wash“ halten wir gerne sehr authentisch. Viele Männer mögen gerade auch diesen rustikaleren Charakter einer Jeans. Natürlich wäre es die absolut umwelttechnische Sicht, nur Baumwolle einzusetzen, aber es gibt eben auch andere Dinge, die eine Rolle spielen. Außerdem gibt es inzwischen auch elastische Garne, die aus recycelten oder biodegradablen Materialien hergestellt werden. Damit beschäftigen wir uns gerade intensiv. Wir denken alles ist relativ, die Relationen sind eben positiv zu verändern. Sonst ist man ganz schnell bei grauen Mao-Anzügen, aber, dass das nicht klappt, hatten wir schon. Der Mensch muss seine Individualität leben können, das öffnet und ist authentisch. Und das wird in Zukunft die Umwelt und die Menschen noch näher zusammenbringen. Wir haben ja auch noch mehr zu vermitteln als nur ökologische Baumwolle zu verwenden. Unsere Jeans werden umweltfreundlich gewaschen, unser Unternehmen neutralisiert die doppelte Menge an CO2, die in der gesamten Supplychain und im Unternehmen selbst entstehen. Die Jeans sind genauso als erstes Brand weltweit Peta-zertifiziert und wir geben 25% unserer Unternehmensgewinne an Organisationen, die mit Ihren effizienten Aktivitäten global Ausgleich schaffen.

Eure Produktion ist mittlerweile in Italien ansässig – prägt Euch das Land in gewisser Weise auch?

Natürlich. Aber unser Brand ist von drei für uns ganz starken Identitäten geprägt. Da wäre als erste die italienische, auf die ich zuerst eingehen möchte. Das ist nicht nur die familiäre Bande von Dietrich, der dort auch lange gelebt und gearbeitet hat. Das ist auch das Team von goodsociety, das sehr italophil ist bzw. italienische Wurzeln hat. Italienisches Stilgefühl ist etwas Außergewöhnliches in dieser Welt und nirgendwo hat das Wort „bello“ (= schön), eine solche Bedeutung. Das hat fast eine spirituelle Ebene. Man muss sich dazu nur einmal die Kunst der Renaissance anschauen. Das hat einfach mit einer wunderschönen Natur zu tun, in der die Menschen dort seit Jahrtausenden aufwachsen.

Es geht um die parallelen Einflüsse vieler Kulturen, bei denen, tja, Schönheit immer eine große Rolle gespielt hat. Italien hat diese geniale Mischung von Lockerheit und Stil, die es sonst vielleicht nur in LA gibt. Und da ist unsere zweite Identität, der American Spirit. Dieser positive Spirit, den Dietrich durch seine vielen Reisen in die USA und speziell nach LA kennengelernt hat, nämlich „etwas Gutes tun und das mit allen zusammen in die Welt zu bringen“. goodsociety ist ja 2007 in den USA gegründet worden.

Die dritte ist die Deutsche Identität, also Qualität und konstruktives Handeln. Wenn man so will gibt es nur 2 wertbesetzte „Made In“ Länder, global gesehen. „Made in Italy“, das steht für Stil und „Made in Germany“, das steht für Qualität.

Nehmt uns ein wenig mit in die Zukunft von GoodSociety – was ist Euer nächstes Ziel?

An sich ist unser nächstes Ziel die globale „goodsociety“ und das geht eigentlich ganz einfach, wenn es Mode wird und alle mitmachen – In oder Out. Die Steps für uns dazu sind auf jeden Fall der weitere Ausbau unserer Internet Präsenz und neue Aktionen und Kommunikation über die Social Media Kanäle. Natürlich auch der Aufbau diverser Exportmärkte. Eines der großen Ziele ist der Ausbau des amerikanischen Marktes, das ist schließlich mal unsere Homebase gewesen und dieser Spirit von Freiheit und Glück trägt uns und wir ihn mit bis heute.

Immer mehr Menschen kennen unsere Produkte und Philosophie und natürlich wollen wir noch mehr erreichen. Wir möchten unsere Vision noch weiter in die Welt hinaustragen, der Zeitpunkt könnte dafür nicht besser sein. Das Umdenken hat begonnen und wir bewegen und gestalten mit.

Danke an goodsociety für die ausführlichen und ehrlichen Antworten!

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