10. Februar 2017

5 Fragen an evermind – eine faire Marke!

Bei unserem Besuch auf der INNATEX durften wir Deniz Bektas von evermind kennenlernen. Nach einem total netten Gespräch im Messetrubel war uns klar, über evermind wollen wir Euch etwas berichten!

Und weil wir die Geschichte des Familienunternehmens und das unaufgeregte Auftreten des Unternehmens mit unglaublich tollen Textilien faszinierend fanden, wollten wir Deniz ein paar Fragen stellen und noch mehr über evermind erfahren! Unser Interview mit ihm haben wir hier für Euch:

 

Deniz, Dein Unternehmen ist einem 20 Jahre alten Familienunternehmen entsprungen – wie war Dein Weg zu „evermind“? Also, was hat Dir den Anstoß gegeben?

 

Da muss ich etwas weiter ausholen und fast eine Familiengeschichte erzählen. Den größten Anteil daran hat sicher meine Tante, die Schwägerin meines Vaters. Als ich 12 war kaufte sie in Istanbul 30 gebrauchte Nähmaschinen von Ihrem Ersparten, fing an für einen bekannten deutschen Sporthersteller T-Shirts zu produzieren und baute zusammen mit meinem Onkel einen recht großen türkischen Bekleidungshersteller auf. Insbesondere meiner Tante waren die Arbeitsbedingungen mit steigendem Erfolg immer wichtiger und sie setzte sich vor allem für die Frauenrechte in einer immer noch größtenteils patriarchalischen Gesellschaft ein. In neuen Fabriken vergab sie die Arbeitsplätze an Frauen, um diese vom Herd wegzuholen und ihnen die Möglichkeit zu geben, als Ernährer der Familie einen neuen Stellenwert zu erlangen. Für Ihr soziales Unternehmertum wurde meine Tante dann auch auf dem Weltwirtschaftsforum mit dem Preis des „Social Entrepreneur of the Year“ ausgezeichnet.

Das hat mich natürlich immer sehr beeindruckt, denn ich habe von Anfang an alles miterlebt, habe in den Schul- und später Semesterferien dort in allen Abteilungen gearbeitet und viele Kunden kennen gelernt. Und so bekam ich auch mit wie große Modeketten Ihre Lieferanten förmlich ausquetschen und unter Preisdruck setzen. Man macht sie erst groß und abhängig und fängt dann an die Preise zu diktieren. Wer den Preis dafür bezahlt ist den großen Marken wohl egal, sie schreiben in die Verträge, dass soziale Standards eingehalten werden sollen, aber dafür bezahlen wollen sie nicht. So umgehen viele Lieferanten die geforderten Mindeststandards und produzieren bei kaum kontrollierten Subunternehmen unter schlechtesten Bedingungen oder aber werden in den Ruin getrieben.

Ein weiterer Onkel, der jüngste Bruder meines Vaters, gründete dann 1994 in Deutschland mit Leela Cotton eine Marke für nachhaltige Kindermode aus Bio-Baumwolle. Diese hat sich inzwischen einen Namen für beste Qualität gemacht und wird heute in mehreren Hundert Geschäften in ganz Europa und Japan angeboten. Bei der Verwandtschaft lag es nahe, selbst eine eigene Marke zu gründen und 2007 startete ich einen ersten Versuch, den ich aber, da ich zu der Zeit für die Produktion unserer französischen Kunden verantwortlich war, wieder aufgab, weil mir einfach die Zeit fehlte. Ein paar Jahre später war es dann aber soweit und wir entschieden eine Kollektion für Erwachsene zu entwickeln. Mit all den Erfahrungen war natürlich klar, dass dies nur eine faire, nachhaltige Marke werden konnte. Und so gründete ich dann 2015 evermind.

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Wo werden die Kleidungsstücke von „evermind“ produziert und wie weit sind sie „öko“?

 

Wir stellen alle unsere Produkte in Izmir her, hier liegen auch die besten Anbauflächen für Organic Cotton und ich weise deshalb immer gerne auf die hohe Qualität unserer ägäischen Baumwolle hin. Die Lieferanten kennen wir seit über 20 Jahren und unsere Familien sind gut befreundet.

Mit dem Begriff „öko“ tue ich mich immer schon ein bisschen schwer. Die Kunden sollen die Produkte kaufen, weil sie Ihnen gefallen und weil sie gute Stoffe und Verarbeitung erkennen und schätzen. Nachhaltigkeit und Fairness sollen einfach eine Selbstverständlichkeit sein, auf die die Kunden sich bei uns verlassen können.  Aber natürlich achten wir intern darauf, dass unsere Modelle von evermind soweit wie möglich ökologisch sind, allerdings hoffe ich wie gesagt, dass man ihnen das nicht ansieht. Unsere Baumwolle ist zu 100% kontrolliert biologisch angebaut, bei einigen Modellen verwenden wir ausserdem Modal und Lyocell, sog. botanische Fasern. Diese werden aus dem Rohstoff Holz hergestellt, sind also ebenfalls eine sinnvolle Alternative, wesentlich umweltfreundlicher als z.b. Viskose und man kann Stoffe mit völlig anderem, eher seidigem Griff, als Baumwolle wirken oder weben. Wo ich aber keine Kompromisse mache sind die Arbeitsbedingungen. evermind soll in erster Linie eine Marke sein, bei der sich die Kunden darauf verlassen können, dass andere Menschen nicht für ein Kleidungsstück ausgenutzt wurden.

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„evermind“ hat eine klassische Linie mit tollen Materialien und guten Schnitten – tolle Basics sozusagen! Was ist Deine Zukunftsvision für Dein Unternehmen?

 

Streetfashion, echte Ökomode, Tierprints bis zum Abwinken oder Hipster-Style-Labels gibt es genug im Bereich der Green Fashion und auch einige sehr schöne hochpreisige Designer-Marken. Wir wollten daher möglichst klassisches Design mit einem gewissen Understatement entwerfen und größten Wert auf Material und Verarbeitung legen. Hochwertige Basics mit feinen Details gehören auf jeden Fall dazu und sollen ausgebaut werden. Es soll natürlich noch viel mehr kommen, allerdings möchte ich mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn bei unserer derzeitigen Größe fällt es mir schwer von einem Unternehmen zu sprechen, Projekt wäre da ehrlicher und eine breite Kollektion muss auch erst einmal finanziert werden.

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Welche Zertifikate zeichnen Eure Produktion aus und ist es nicht auch ein steiniger Weg, um solche Zertifikate zu erlangen?


Für uns standen die fairen Arbeitsbedingungen im Fokus. Möglichst nachhaltige Materialien spielen dabei aber auch eine große Rolle, wenn man bedenkt wie gesundheitsschädlich konventioneller Baumwollanbau für die Arbeiter auf den Feldern ist. Das umfassendste Label ist der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS. Hierbei werden sowohl soziale Mindeststandards gefordert als auch die Nachhaltigkeit der Materialien. Die Entscheidung war daher recht leicht und auch der Weg nicht steinig, er kostet einfach nur Geld, denn Rohstoffe und Produktion sind einfach deutlich teurer als bei konventionell hergestellter Kleidung. Ich kann leicht einen Lieferanten finden, der ein T-Shirt für unter 1 Euro produziert, dafür bekomme ich unter fairen Bedingungen gerade mal das Etikett im Nacken.

 

Wer designed die schönen Kleidungsstücke und woher nehmt Ihr Eure Inspiration? 


Leider bin ich ganz schlecht in Design-Dingen und muss mich da auf andere verlassen. Zwar habe ich meine Vorstellungen in welche Richtung unser Stil gehen soll, aber bei der Umsetzung lasse ich ausgebildete Designer ran. Ich kümmere mich dann um die Entwicklung der Muster und die Produktion. In Zukunft würde ich gerne auch mal mit jungen Designern kooperieren die vielleicht selber eigene Designs vertreiben und im Gegenzug Unterstützung bei der Produktion brauchen. Meldet Euch gerne! Meine persönliche Inspiration ziehe ich übrigens am liebsten aus einer Packung Kinder Riegel, ohne die geht bei mir nix…

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Danke, Deniz für Deine Zeit und die ehrlichen Antworten! Wir dürfen gerade auch schon das ein oder andere Teil von evermind testen und sind wirklich begeistert. Neben einem schönen Stoff, den man spürt, sind es die Schnitte, die einfach gut sind. Wir mögen die unaufgeregten Basics, auch im Bereich Kindermode und Unterwäsche. Aber am besten ihr schaut hier mal selbst!

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